Virtualisierung

VMware-Lizenzen 2026: Was die Broadcom-Änderungen bedeuten

Kauflizenzen abgeschafft, Produkte gebündelt, Preise vervielfacht: Seit der Broadcom-Übernahme ist das VMware-Lizenzmodell ein anderes. Dieser Beitrag sortiert, was heute gilt, was der Stichtag Oktober 2027 bedeutet und welche drei Optionen kleine Unternehmen jetzt haben. Stand September 2026, alle Angaben mit Quelle.

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Betrieb und Wiederherstellung zusammendenken.
  1. 01Betreiben
  2. 02Sichern
  3. 03Wiederherstellung prüfen
Prinzip: Serverbetrieb, getrennte Sicherung und ein geprüfter Weg zurück.

Von der Kauflizenz zum Abo: die Chronologie

Broadcom hat die Übernahme von VMware im November 2023 abgeschlossen und das Geschäftsmodell in wenigen Monaten umgebaut. Wer die heutige Lage verstehen will, sollte diese Kette von Entscheidungen kennen:

Die wichtigsten Lizenz-Änderungen seit der Übernahme

ZeitpunktÄnderung
11. Dezember 2023Verkaufsstopp für Kauflizenzen (Perpetual): VMware gibt es nur noch im Abo, abgerechnet pro CPU-Kern
2024Das Portfolio wird auf wenige Bündel eingedampft, vor allem vSphere Foundation (VVF) und Cloud Foundation (VCF); VMware nennt für VCF 350 USD pro Kern und Jahr
Oktober 2024VVF wird um 11 Prozent teurer, im Gegenzug steigt die enthaltene vSAN-Kapazität; vSphere Enterprise Plus kommt als Einzel-Edition zurück
März/April 2025Ein Distributor meldet ab 10. April 2025 eine Mindestbestellung von 72 Kernen und 20 Prozent Aufschlag für verspätete Verlängerungen; die 72 Kerne sind binnen rund zwei Wochen wieder vom Tisch, es bleibt beim 16-Kern-Minimum pro CPU
Mai 2025Schreiben an Kunden mit Kauflizenz ohne Supportvertrag, mit Hinweis auf mögliche Überprüfungen
2025vSphere 9 erscheint ausschließlich in den Bündeln VVF 9 und VCF 9; vSphere Standard und Enterprise Plus bleiben auf Version 8 Update 3 begrenzt
Dezember 2025VVF ist laut Broadcom in einigen EMEA-Ländern nicht mehr erhältlich, die Verfügbarkeit ist über Vertrieb oder Partner zu klären
Januar 2026Broadcom schließt das bisherige Partnerprogramm für VMware-Cloud-Anbieter; Verträge laufen nach dem 26. Januar 2026 nicht weiter, weiter geht es nur auf Einladung
August 2026Das Entwicklerpaket VDDK, das manche Backup- und Migrationswerkzeuge nutzen, ist nicht mehr öffentlich herunterladbar, sondern nur noch über ausgewählte Technologiepartner
September 2026Broadcom kündigt eine neue vSphere-Standard-Version an; Details zu Preis, Lizenzmodell und Funktionen sollen zur VMware Explore in Frankfurt Mitte Oktober folgen
11. Oktober 2027General Support für vSphere 8 endet, Technical Guidance läuft bis 11. Oktober 2029

Stand: September 2026. Grundlage: Broadcom (Blog, FAQ, Knowledge Base) und Fachpresse (heise, The Register, Network World, CRN); Quellen am Artikelende.

Die Preisfolgen sind dokumentiert: Gartner-Analyst Paul Delory bezifferte die typische Steigerung der Lizenzkosten im Mai 2026 auf 300 bis 400 Prozent, Mitglieder des europäischen Cloud-Verbands CISPE meldeten der EU-Kommission Erhöhungen von 800 bis 1.500 Prozent, und AT&T bezifferte die ihr angebotene Erhöhung in Gerichtsunterlagen auf 1.050 Prozent.

Die Produktwelt 2026: VVF, VCF und die Zukunft der kleinen Editionen

  • vSphere Foundation (VVF): das kleinere Bündel für klassische Virtualisierung, mit 0,25 TiB vSAN-Kapazität pro Kern. Broadcom veröffentlicht keine Preisliste; ein deutscher Händler listet im September 2026 netto 192,75 EUR pro Kern und Jahr. Achtung: VVF ist laut Broadcom in einigen EMEA-Ländern nicht mehr erhältlich, und laut Fachpresse geht es inzwischen fast nur noch an Kunden, die auch VCF kaufen.
  • Cloud Foundation (VCF): das große Bündel inklusive NSX, Automatisierung und 1 TiB vSAN-Kapazität pro Kern. Händler-Listenpreis im September 2026: netto 362,24 EUR pro Kern und Jahr; VMware selbst nannte 2024 einen Listenpreis von 350 USD.
  • vSphere Standard und Enterprise Plus: stehen weiter in der Produktliste, sind aber auf Version 8 Update 3 begrenzt; vSphere Standard listet derselbe Händler für netto 51,25 EUR pro Kern und Jahr. Laut Fachpresse bekamen Kunden dafür zuletzt oft keine Verlängerungsangebote oder nur solche mit VCF. Anfang September 2026 hat Broadcom eine neue vSphere-Standard-Version angekündigt, Preis und Bedingungen sind noch offen.
  • Kostenloses ESXi: Die Gratis-Version des Hypervisors bietet Broadcom nur bis Version 8 Update 3 an, ESXi 9 gibt es nicht kostenlos. Wer darauf setzt, landet ebenfalls bei Version 8 und damit beim Support-Ende im Oktober 2027.

Hinweis: Warum das für Bestandskunden zählt

Wer heute vSphere Standard 8 betreibt, sitzt auf einer Edition mit offener Zukunft: Neue Funktionen erscheinen bisher nur in VVF und VCF, der Support für die komplette Version 8 endet im Oktober 2027, und für die angekündigte neue Standard-Version gibt es noch keine Preise und Bedingungen.

Kern-Lizenzierung verstehen: das 16-Kern-Minimum

VMware wird pro physischem CPU-Kern lizenziert, mit einer Mindestabnahme von 16 Kernen pro CPU. Eine CPU mit 8 oder 12 Kernen kostet also trotzdem 16 Kern-Lizenzen. Lizenziert werden alle physischen Kerne aller CPUs eines Hosts; Hyperthreading-Threads zählen nicht, weil nur physische Kerne gezählt werden. Für kleine Server heißt das konkret:

Was kleine Umgebungen zu Händler-Listenpreisen zahlen (je Host 1 CPU mit 16 Kernen)

UmgebungvSphere Standard 8 (51,25 EUR pro Kern)VVF (192,75 EUR pro Kern)VCF (362,24 EUR pro Kern)
1 Server, 16 Kerne820 EUR pro Jahr3.084 EUR pro Jahr5.796 EUR pro Jahr
2 Server, 32 Kerne1.640 EUR pro Jahr6.168 EUR pro Jahr11.592 EUR pro Jahr
3 Server, 48 Kerne2.460 EUR pro Jahr9.252 EUR pro Jahr17.388 EUR pro Jahr

Stand: September 2026, netto, auf ganze Euro gerundet. Grundlage: VMware-Preisliste des Händlers Software-Express (September 2026); Broadcom führt keine öffentliche Preisliste, andere Händler und Projektpreise können abweichen. vSphere Standard ist auf Version 8 begrenzt (Support bis Oktober 2027), VVF ist nicht überall erhältlich.

Wie sich diese Beträge gegen Alternativen schlagen, zeigt die ausführliche Beispielrechnung Proxmox gegen VMware mit demselben Szenario über fünf Jahre.

Der Stichtag: 11. Oktober 2027

An diesem Tag endet der General Support für vSphere 8, die letzte Version, die es als Kauflizenz gab, und zugleich die höchste Version von vSphere Standard und Enterprise Plus. Danach gibt es bis Oktober 2029 nur noch Technical Guidance, also keine regulären Patches mehr. Für Bestandskunden mit Kauflizenzen ist das der faktische Endpunkt der alten Welt: Ein Hypervisor ohne Sicherheitsupdates ist auf Dauer kein tragbarer Zustand, erst recht nicht als Fundament unter allen Servern eines Unternehmens.

Achtung: Rechnen Sie rückwärts

Wer bis Oktober 2027 sauber umgestellt haben will, braucht davor Zeit für Bestandsaufnahme, Entscheidung, Beschaffung und Migration. Realistisch heißt das: Die Entscheidung fällt jetzt im Herbst 2026 oder spätestens Anfang 2027, nicht im Sommer 2027.

Was bei Nichtverlängerung passiert

  • Abo läuft aus: Mit dem Abo endet das Nutzungsrecht. Gestartete VMs laufen weiter, aber unter vSphere 8 lassen sich laut Broadcom ausgeschaltete VMs nicht mehr starten, und die Verwaltung über vCenter ist eingeschränkt. Unter vSphere 9 gilt eine Frist von 90 Tagen, danach trennen sich die Hosts von vCenter und neue Workloads starten nicht mehr.
  • Verspätete Verlängerung: Laut Distributor-Informationen vom März 2025 berechnet Broadcom einen Aufschlag von 20 Prozent auf den Preis des ersten Abo-Jahres, wenn ein Abo verspätet verlängert wird. Öffentlich dokumentiert hat Broadcom das nicht; lassen Sie sich die Bedingungen im Angebot schriftlich bestätigen.
  • Kauflizenz ohne Support: Die Lizenz bleibt gültig, ESXi und vCenter laufen laut Broadcom normal weiter, aber neue Patches und Updates gibt es nicht mehr. Seit Mai 2025 verschickt Broadcom Schreiben an Kunden kurz nach Ablauf des Supportvertrags: Wer danach veröffentlichte Patches einspiele, müsse mit einer Überprüfung rechnen; ausgenommen sind Sicherheitspatches für Zero-Day-Lücken.

Ihre drei Optionen: verlängern, verkleinern oder wechseln

Option 1: Verlängern, aber verhandelt

Wenn VMware gesetzt ist, dann bewusst: Verlängerungsangebot früh anfordern, mehrjährige Laufzeiten gegen Preisnachlass prüfen, die lizenzierte Kernzahl exakt an den tatsächlichen Bedarf anpassen und Bündel-Komponenten hinterfragen, die Sie nicht nutzen. Die dokumentierten Preisspannen zeigen: Verhandeln lohnt sich. Weil Broadcom den Partnerkreis deutlich verkleinert hat, sollten Sie außerdem früh klären, über welchen Händler oder Partner Sie Ihr Angebot überhaupt bekommen.

Option 2: Verkleinern

Viele Umgebungen sind historisch gewachsen. Wer Workloads konsolidiert, Altsysteme stilllegt oder einzelne Dienste in Managed- oder Cloud-Angebote verlagert, senkt die Kernzahl und damit die Abo-Kosten direkt. Oft ist das der schnellste Hebel, ganz ohne Plattformwechsel.

Option 3: Wechseln

Für typische KMU-Workloads ist der Plattformwechsel 2026 realistischer denn je: In einer Umfrage des Analystenhauses Virtified unter 450 VMware-Kunden aus 14 Ländern plant die Hälfte, die Nutzung bis 2028 zu reduzieren, und Gartner erwartet, dass bis 2028 rund 35 Prozent der heutigen VMware-Workloads woanders laufen. Was der Umstieg kostet, steht im Kostenvergleich Proxmox gegen VMware, und wie er praktisch abläuft, im Migrationsleitfaden von VMware zu Proxmox. Fair bleibt: Gartner warnt zugleich, dass es keinen Eins-zu-eins-Ersatz für das komplette VCF-Paket gibt. Wer dessen Spezialfunktionen wirklich nutzt, wechselt nicht leichtfertig.

Entscheidungshilfe: Welche Option passt zu wem

  • Sie nutzen VCF-Spezialfunktionen (vSAN-Stretched-Cluster, NSX) oder Ihre Fachanwendung ist nur für VMware zertifiziert: verlängern und verhandeln.
  • Ihre Umgebung ist gewachsen und größer als nötig: erst verkleinern, dann neu bewerten.
  • Sie betreiben Standard-Workloads auf zwei bis fünf Hosts, und die Abo-Kosten schmerzen oder Ihre vSphere-Standard-Verlängerung ist unsicher: Wechsel ernsthaft prüfen, mit Testcluster statt Bauchgefühl.
  • Ihr Support läuft ohnehin bald aus und die Hardware steht zur Erneuerung an: den Plattformwechsel mit dem Hardware-Zyklus zusammenlegen, das spart eine Migration.

Häufige Fragen

Gibt es vSphere Standard noch zu kaufen?

Als Abo steht vSphere Standard weiter in der Produktliste, allerdings nur in Version 8 Update 3, deren Support im Oktober 2027 endet. Ein deutscher Händler listet es im September 2026 für netto 51,25 EUR pro Kern und Jahr, laut Fachpresse sind Verlängerungsangebote aber oft schwer zu bekommen. Anfang September 2026 hat Broadcom eine neue vSphere-Standard-Version angekündigt, Preis und Bedingungen sind noch offen. Kauflizenzen gibt es seit dem 11. Dezember 2023 gar nicht mehr.

Was ist der Unterschied zwischen VVF und VCF?

vSphere Foundation (VVF) ist das kleinere Bündel für klassische Virtualisierung mit 0,25 TiB vSAN-Kapazität pro Kern, Cloud Foundation (VCF) das große Paket inklusive NSX, Automatisierung und 1 TiB vSAN-Kapazität pro Kern. Ein deutscher Händler listet im September 2026 netto 192,75 EUR (VVF) und 362,24 EUR (VCF) pro Kern und Jahr. VVF ist in einigen EMEA-Ländern nicht mehr erhältlich.

Was bedeutet das 16-Kern-Minimum?

VMware lizenziert pro physischem CPU-Kern, mindestens aber 16 Kerne je CPU. Eine 8-Kern-CPU kostet also 16 Kern-Lizenzen. Gezählt werden alle physischen Kerne aller CPUs eines Hosts. Die im März 2025 von einem Distributor gemeldete Mindestbestellung von 72 Kernen war nach Protesten binnen rund zwei Wochen wieder vom Tisch.

Bis wann muss ich mich entscheiden?

Der harte Stichtag ist der 11. Oktober 2027, dann endet der General Support für vSphere 8. Wer vorher geordnet wechseln oder verhandeln will, sollte die Entscheidung jetzt im Herbst 2026 oder spätestens Anfang 2027 treffen, damit Bestandsaufnahme, Tests und Migration nicht unter Zeitdruck laufen.

Darf ich meine alte Kauflizenz einfach weiterbetreiben?

Ja, die Lizenz bleibt gültig und die Software läuft weiter, aber ohne Supportvertrag gibt es keine Updates. Broadcom verschickt seit Mai 2025 Schreiben an Kunden mit abgelaufenem Supportvertrag: Wer nach dem Supportende veröffentlichte Patches einspiele, müsse mit einer Überprüfung rechnen. Als Dauerlösung ist das riskant, spätestens ab Oktober 2027 fehlen auch für vSphere 8 die regulären Patches.

Lohnt sich hartes Verhandeln bei der Verlängerung überhaupt?

Ja. Broadcom publiziert keine Preisliste, die realen Preise entstehen über Händler und Partner, und die dokumentierten Spannen sind groß. Wichtig: früh anfordern, denn laut Distributor-Informationen wird bei verspäteter Verlängerung ein Aufschlag von 20 Prozent auf den Preis des ersten Abo-Jahres fällig.

Quellen

Die Angaben entsprechen dem oben genannten Stand. Die Quellen sind zum Nachschlagen genannt; die Website verlinkt keine externen Seiten.

  1. Broadcom: VMware End Of Availability of Perpetual Licensing and SaaS Services, 22. Januar 2024
  2. Broadcom Knowledge Base: Counting Cores for VMware Cloud Foundation and vSphere Foundation and TiBs for vSAN (KB 313548), abgerufen am 22.09.2026
  3. Broadcom: vSphere with VCF 9.1: General FAQ, Mai 2026
  4. Broadcom Knowledge Base: Telco stack components EOGS & EOTS (KB 392942, Termine für vSphere/ESX 8.0), abgerufen am 22.09.2026
  5. Broadcom Knowledge Base: Impact of vCenter/ESXi license expiration (KB 391605), abgerufen am 22.09.2026
  6. Broadcom TechDocs: VMware Cloud Foundation 9.0: Licensing Overview, abgerufen am 22.09.2026
  7. Broadcom Knowledge Base: Perpetual License Functionality After Support and Subscription (SnS) Expiration (KB 429208), abgerufen am 22.09.2026
  8. Software-Express: VMware Preisliste September 2026, abgerufen am 22.09.2026
  9. The Next Platform: Cloud Foundation Updates Reflect The New VMware By Broadcom, 25. Juni 2024
  10. The Register: VMware lifts storage capacity, price, for vSphere Foundation, 31. Oktober 2024
  11. The Register: Distie Arrow says smallest VMware license leapt to 72 cores, 28. März 2025
  12. Westcon-Comstor Tech ConneX (nach CRN): Broadcom VMware Ups Minimum Core Purchase ‘Substantially,’ Levies Late Renewal Penalties, 28. März 2025
  13. heise online: VMware backs down: companies can continue to license 16 cores, 10. April 2025
  14. Network World: Broadcom allegedly sends demand letters to perpetual VMware license holders, 8. Mai 2025
  15. The Register: VMware kills vSphere Foundation in parts of EMEA, 11. Dezember 2025
  16. The Register: Broadcom ‘bulldozes’ VMware CSPs with March deadline, 31. Januar 2026
  17. heise online: Broadcom erschwert den VMware-Ausstieg, 22. September 2026
  18. The Register: VMware swings its focus back to low-end server virt, promises vSphere Standard upgrade, 2. September 2026
  19. heise online: Broadcom plans new vSphere Standard, 3. September 2026
  20. The Register: VMware price hikes? 800-1,500%, claim Euro customers, 22. Mai 2025
  21. CIO Dive: AT&T claims it faced a tenfold VMware price hike under Broadcom, 1. Oktober 2024
  22. The Register: Quit VMware and you’ll emerge with more complex and less capable infrastructure, 12. Mai 2026
  23. The Register: Half of VMware users plan to reduce usage by 2028, 24. März 2026

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