VMware-Lizenzen 2026: Was die Broadcom-Änderungen bedeuten
Kauflizenzen abgeschafft, Produkte gebündelt, Preise vervielfacht: Seit der Broadcom-Übernahme ist das VMware-Lizenzmodell ein anderes. Dieser Beitrag sortiert, was heute gilt, was der Stichtag Oktober 2027 bedeutet und welche drei Optionen kleine Unternehmen jetzt haben. Stand Juli 2026, alle Angaben mit Quelle.
Veröffentlicht am 12. Juli 2026 · Daniel Gläser

Von der Kauflizenz zum Abo: die Chronologie
Broadcom hat die Übernahme von VMware im November 2023 abgeschlossen und das Geschäftsmodell in wenigen Monaten umgebaut. Wer die heutige Lage verstehen will, muss nur diese Kette von Entscheidungen kennen:
| Zeitpunkt | Änderung |
|---|---|
| 11. Dezember 2023 | Verkaufsstopp für Kauflizenzen (Perpetual): VMware gibt es nur noch im Abo, abgerechnet pro CPU-Kern |
| 2024 | Das Portfolio wird auf wenige Bündel eingedampft, vor allem vSphere Foundation (VVF) und Cloud Foundation (VCF); VCF-Listenpreis 350 USD pro Kern und Jahr |
| Oktober 2024 | VVF wird um 11 Prozent teurer, im Gegenzug steigt das enthaltene vSAN-Kontingent |
| März/April 2025 | Broadcom kündigt eine Mindestbestellung von 72 Kernen an und nimmt sie nach massiver Kritik binnen rund zwei Wochen zurück; es bleibt beim 16-Kern-Minimum pro CPU |
| Mai 2025 | Unterlassungsschreiben an Perpetual-Kunden ohne Supportvertrag, inklusive Audit-Androhung |
| 2025 | vSphere 9 erscheint ausschließlich in den Bündeln VVF 9 und VCF 9; vSphere Standard und Enterprise Plus bleiben auf Version 8 Update 3 begrenzt |
| Dezember 2025 | VVF wird in Teilen der EMEA-Region eingestellt, betroffene Kunden müssen auf VCF oder Alternativen ausweichen |
| 11. Oktober 2027 | General Support für vSphere 8 endet, Technical Guidance läuft bis Oktober 2029 |
Die Preisfolgen sind dokumentiert: Gartner nennt typische Steigerungen von 300 bis 400 Prozent, der europäische Cloud-Verband CISPE meldete der EU-Kommission Erhöhungen von 800 bis 1.500 Prozent bei Verlängerungen, AT&T bezifferte die ihr angebotene Erhöhung in Gerichtsunterlagen auf 1.050 Prozent.
Die Produktwelt 2026: VVF, VCF und das Ende der kleinen Editionen
- vSphere Foundation (VVF): das kleinere Bündel für klassische Virtualisierung. Broadcom veröffentlicht keine offizielle Preisliste; Lizenzberater nennen für 2026 marktübliche 150 bis 190 USD pro Kern und Jahr. Achtung: Seit Dezember 2025 ist VVF in Teilen der EMEA-Region nicht mehr erhältlich.
- Cloud Foundation (VCF): das große Bündel inklusive vSAN, NSX und Automatisierung, Listenpreis 350 USD pro Kern und Jahr.
- vSphere Standard und Enterprise Plus: werden weiterhin verkauft, sind aber auf Version 8 Update 3 eingefroren. Es wird keine Version 9 dieser Editionen geben.
Warum das für Bestandskunden zählt
Wer heute vSphere Standard 8 betreibt, sitzt auf einer Edition ohne Zukunft: Neue Funktionen erscheinen nur noch in VVF und VCF, und der Support für die komplette Version 8 endet im Oktober 2027.
Kern-Lizenzierung verstehen: das 16-Kern-Minimum
VMware wird pro physischem CPU-Kern lizenziert, mit einer Mindestabnahme von 16 Kernen pro CPU. Eine CPU mit 8 oder 12 Kernen kostet also trotzdem 16 Kern-Lizenzen. Lizenziert werden alle physischen Kerne aller CPUs eines Hosts, Hyperthreading zählt nicht mit. Für kleine Server heißt das konkret:
| Umgebung | VVF (150 bis 190 USD pro Kern) | VCF (Liste 350 USD pro Kern) |
|---|---|---|
| 1 Server, 16 Kerne | 2.400 bis 3.040 USD pro Jahr | 5.600 USD pro Jahr |
| 2 Server, 32 Kerne | 4.800 bis 6.080 USD pro Jahr | 11.200 USD pro Jahr |
| 3 Server, 48 Kerne | 7.200 bis 9.120 USD pro Jahr | 16.800 USD pro Jahr |
Wie sich diese Beträge gegen Alternativen schlagen, zeigt die ausführliche Beispielrechnung Proxmox gegen VMware mit demselben Szenario über fünf Jahre.
Der Stichtag: 11. Oktober 2027
An diesem Tag endet der General Support für vSphere 8, die letzte Version, die es als Kauflizenz gab. Danach gibt es bis Oktober 2029 nur noch Technical Guidance, also keine regulären Patches mehr. Für Bestandskunden mit Kauflizenzen ist das der faktische Endpunkt der alten Welt: Ein Hypervisor ohne Sicherheitsupdates ist auf Dauer kein tragbarer Zustand, erst recht nicht als Fundament unter allen Servern eines Unternehmens.
Rechnen Sie rückwärts
Wer bis Oktober 2027 sauber umgestellt haben will, braucht davor Zeit für Bestandsaufnahme, Entscheidung, Beschaffung und Migration. Realistisch heißt das: Die Entscheidung fällt 2026 oder Anfang 2027, nicht im Sommer 2027.
Was bei Nichtverlängerung passiert
- Abo läuft aus: Die Software funktioniert technisch weiter, aber Support und Updates enden. Ohne Sicherheitspatches wächst das Risiko mit jedem Monat.
- Verspätete Verlängerung: Laut Distributor-Informationen berechnet Broadcom einen Aufschlag von 20 Prozent auf den Erstjahrespreis, wenn ein Abo verspätet verlängert wird. Das Renewal auszusitzen ist als Taktik also teuer.
- Kauflizenz ohne Support: Seit Mai 2025 verschickt Broadcom pauschal Unterlassungsschreiben an Perpetual-Kunden kurz nach Ablauf des Supportvertrags, mit dem Vorwurf, nach dem Supportende Patches eingespielt zu haben, und droht darin Audits an. Die Lizenz selbst bleibt gültig, aber der Spielraum ist eng.
Ihre drei Optionen: verlängern, verkleinern oder wechseln
Option 1: Verlängern, aber verhandelt
Wenn VMware gesetzt ist, dann bewusst: Verlängerungsangebot früh anfordern, mehrjährige Laufzeiten gegen Preisnachlass prüfen, die lizenzierte Kernzahl exakt ans tatsächliche Sizing anpassen und Bündel-Komponenten hinterfragen, die Sie nicht nutzen. Die dokumentierten Preisspannen zeigen: Verhandeln lohnt sich, besonders über Distributoren.
Option 2: Verkleinern
Viele Umgebungen sind historisch gewachsen. Wer Workloads konsolidiert, Altsysteme stilllegt oder einzelne Dienste in Managed- oder Cloud-Angebote verlagert, senkt die Kernzahl und damit die Abo-Kosten direkt. Oft ist das der schnellste Hebel, ganz ohne Plattformwechsel.
Option 3: Wechseln
Für typische KMU-Workloads ist der Plattformwechsel 2026 realistischer denn je: In einer Umfrage unter 450 VMware-Kunden aus 14 Ländern plant die Hälfte, die Nutzung bis 2028 zu reduzieren, und Gartner erwartet, dass bis 2028 rund 35 Prozent der heutigen VMware-Workloads woanders laufen. Was der Umstieg kostet, steht im Kostenvergleich Proxmox gegen VMware, und wie er praktisch abläuft, im Migrationsleitfaden von VMware zu Proxmox. Fair bleibt: Gartner warnt zugleich, dass es keinen Eins-zu-eins-Ersatz für das komplette VCF-Paket gibt. Wer dessen Spezialfunktionen wirklich nutzt, wechselt nicht leichtfertig.
Entscheidungshilfe: Welche Option passt zu wem
- Sie nutzen VCF-Spezialfunktionen (vSAN-Stretched-Cluster, NSX) oder Ihre Fachanwendung ist nur für VMware zertifiziert: verlängern und verhandeln.
- Ihre Umgebung ist gewachsen und größer als nötig: erst verkleinern, dann neu bewerten.
- Sie betreiben Standard-Workloads auf zwei bis fünf Hosts und die Abo-Kosten schmerzen: Wechsel ernsthaft prüfen, mit Testcluster statt Bauchgefühl.
- Ihr Support läuft ohnehin bald aus und die Hardware steht zur Erneuerung an: den Plattformwechsel mit dem Hardware-Zyklus zusammenlegen, das spart eine Migration.
Quellen
- Broadcom: Ende der VMware-Kauflizenzen (VMware Blog, Januar 2024)
- Broadcom Knowledge Base 313548: Kern-Zählung und 16-Kern-Minimum
- VMware vSphere with VCF 9.1 FAQ: Standard und Enterprise Plus auf Version 8U3 begrenzt
- heise: VMware nimmt 72-Kern-Mindestbestellung zurück (April 2025)
- The Next Platform: VCF-Listenpreis 350 USD pro Kern und Jahr (Juni 2024)
- The Register: VVF-Preiserhöhung um 11 Prozent (Oktober 2024)
- The Register: VVF in Teilen der EMEA-Region eingestellt (Dezember 2025)
- The Register: CISPE meldet Preiserhöhungen von 800 bis 1.500 Prozent (Mai 2025)
- The Register: Hälfte der VMware-Kunden will Nutzung bis 2028 reduzieren (März 2026)
- The Register: Gartner zu Risiken des Ausstiegs (Mai 2026)
- Network World: Unterlassungsschreiben an Perpetual-Kunden (Mai 2025)
- Westcon (Distributor): 20 Prozent Aufschlag bei verspäteter Verlängerung
- Computer Weekly: Support-Ende von vSphere 8 im Oktober 2027
Dieser Beitrag ist eine sorgfältig recherchierte Orientierung, keine Rechts- oder Steuerberatung. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an Ihren Steuerberater oder Rechtsanwalt.
Häufige Fragen
Gibt es vSphere Standard noch zu kaufen?+
Als Abo ja, aber nur begrenzt auf Version 8 Update 3. Eine Version 9 von vSphere Standard oder Enterprise Plus wird es nicht geben, neue Funktionen erscheinen nur in den Bündeln VVF und VCF. Kauflizenzen (Perpetual) gibt es seit dem 11. Dezember 2023 gar nicht mehr.
Was ist der Unterschied zwischen VVF und VCF?+
vSphere Foundation (VVF) ist das kleinere Bündel für klassische Virtualisierung, Cloud Foundation (VCF) das große Paket inklusive vSAN, NSX und Automatisierung. VCF kostet laut Liste 350 USD pro Kern und Jahr, für VVF nennen Lizenzberater marktübliche 150 bis 190 USD. Seit Dezember 2025 ist VVF in Teilen der EMEA-Region nicht mehr erhältlich.
Was bedeutet das 16-Kern-Minimum?+
VMware lizenziert pro physischem CPU-Kern, mindestens aber 16 Kerne je CPU. Eine 8-Kern-CPU kostet also 16 Kern-Lizenzen. Gezählt werden alle physischen Kerne aller CPUs eines Hosts. Die 2025 angekündigte Mindestbestellung von 72 Kernen wurde nach Protesten zurückgenommen.
Bis wann muss ich mich entscheiden?+
Der harte Stichtag ist der 11. Oktober 2027, dann endet der General Support für vSphere 8. Wer vorher geordnet wechseln oder verhandeln will, sollte die Entscheidung 2026 oder Anfang 2027 treffen, damit Bestandsaufnahme, Tests und Migration nicht unter Zeitdruck laufen.
Darf ich meine alte Kauflizenz einfach weiterbetreiben?+
Die Lizenz bleibt gültig, aber ohne Supportvertrag gibt es keine Updates. Broadcom verschickt seit Mai 2025 pauschal Unterlassungsschreiben an Perpetual-Kunden mit abgelaufenem Supportvertrag, mit dem Vorwurf, nach dem Supportende Patches eingespielt zu haben, und droht darin Audits an. Als Dauerlösung ist das riskant, spätestens ab Oktober 2027 fehlen auch für vSphere 8 die regulären Patches.
Lohnt sich hartes Verhandeln beim Renewal überhaupt?+
Ja. Broadcom publiziert keine Preisliste, die realen Preise entstehen über Distributoren, und die dokumentierten Spannen sind groß. Wichtig: früh anfordern, denn bei verspäteter Verlängerung wird ein Aufschlag von 20 Prozent auf den Erstjahrespreis fällig.
Unsicher, welche der drei Optionen passt?
Ich schaue mir Ihre Umgebung und Ihr Verlängerungsangebot an, rechne die Optionen für Ihren Fall durch und sage Ihnen ehrlich, ob verlängern, verkleinern oder wechseln die beste Route ist. Aus Chemnitz für KMU in Sachsen und deutschlandweit.

Daniel Gläser
Inhaber Gläser IT-Solutions, Chemnitz
Ich entwickle Software und betreibe IT-Infrastruktur für kleine und mittlere Unternehmen, von der ersten Analyse bis zum laufenden Betrieb. Die Inhalte hier stammen aus realen Projekten und sind mit Quellen belegt.


