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Virtualisierung10 Min Lesezeit

Proxmox vs. VMware: Was Virtualisierung für KMU 2026 kostet

Broadcom hat VMware auf Abos umgestellt, die Preise haben sich vervielfacht, und der Support für vSphere 8 endet im Oktober 2027. Viele KMU rechnen deshalb zum ersten Mal ernsthaft nach. Hier ist die Rechnung: was VMware 2026 kostet, was Proxmox kostet und wann sich der Wechsel lohnt. Alle Zahlen mit Quelle und Stand Juli 2026.

Veröffentlicht am 12. Juli 2026 · Daniel Gläser

Warum das Thema 2026 auf dem Tisch liegt

Seit der Übernahme durch Broadcom Ende 2023 ist bei VMware kein Stein auf dem anderen geblieben: Kauflizenzen abgeschafft, Produkte zu großen Bündeln zusammengefasst, Preise drastisch erhöht. Gartner nennt typische Preissteigerungen von 300 bis 400 Prozent. Der europäische Cloud-Verband CISPE meldete der EU-Kommission Erhöhungen von 800 bis 1.500 Prozent bei Vertragsverlängerungen, und AT&T bezifferte die ihr angebotene Erhöhung in Gerichtsunterlagen auf 1.050 Prozent.

Für kleine und mittlere Unternehmen kommt ein hartes Datum hinzu: Der General Support für vSphere 8 endet am 11. Oktober 2027. vSphere 8 ist die letzte Version, die es noch als Kauflizenz gab. Wer heute auf vSphere Standard läuft, muss bis dahin entscheiden: ins Abo wechseln, ohne Support weiterfahren oder die Plattform wechseln.

Ohne Support weiterfahren ist keine stille Option

Seit Mai 2025 verschickt Broadcom pauschal Unterlassungsschreiben an Firmen, die Kauflizenzen ohne aktiven Supportvertrag weiterbetreiben, mit dem Vorwurf, nach dem Supportende Patches eingespielt zu haben. Darin werden auch Audits angedroht.

Das VMware-Lizenzmodell 2026 im Überblick

Seit dem 11. Dezember 2023 verkauft Broadcom keine VMware-Kauflizenzen mehr. Es gibt nur noch Abonnements, abgerechnet pro physischem CPU-Kern, mit einer Mindestabnahme von 16 Kernen pro CPU. Hat Ihr Prozessor nur 8 oder 12 Kerne, zahlen Sie trotzdem für 16. Lizenziert werden alle physischen Kerne aller CPUs eines Hosts.

  • VMware vSphere Foundation (VVF): das kleinere Bündel. Broadcom veröffentlicht keine offizielle Preisliste; Lizenzberater nennen für 2026 marktübliche 150 bis 190 USD pro Kern und Jahr. Im Dezember 2025 hat Broadcom VVF in Teilen der EMEA-Region sogar vom Markt genommen, betroffene Kunden müssen auf das größere VCF oder auf Alternativen ausweichen.
  • VMware Cloud Foundation (VCF): das große Bündel mit einem Listenpreis von 350 USD pro Kern und Jahr.
  • vSphere Standard und Enterprise Plus werden zwar weiterhin verkauft, sind aber auf Version 8 Update 3 eingefroren. Die Funktionen von vSphere 9 gibt es ausschließlich in den Bündeln VVF 9 und VCF 9.
Broadcom und VMware: die Änderungen seit der Übernahme
ZeitpunktÄnderung
Dezember 2023Ende der Kauflizenzen: VMware nur noch im Abo, Abrechnung pro CPU-Kern
2024Produktportfolio auf die Bündel VVF und VCF eingedampft, VCF-Listenpreis 350 USD pro Kern und Jahr
Oktober 2024VVF-Preiserhöhung um 11 Prozent, im Gegenzug mehr vSAN-Kontingent
März/April 2025Mindestbestellung sollte von 16 auf 72 Kerne steigen, nach massiver Kritik binnen rund zwei Wochen zurückgenommen
Mai 2025Unterlassungsschreiben an Perpetual-Kunden ohne Supportvertrag
2025vSphere 9 erscheint nur noch in VVF 9 und VCF 9, vSphere Standard und Enterprise Plus bleiben auf Version 8U3 begrenzt
Dezember 2025VVF in Teilen der EMEA-Region eingestellt
11. Oktober 2027General Support für vSphere 8 endet (Technical Guidance bis Oktober 2029)
Stand: Juli 2026. Quellen: Broadcom/VMware (Blog, FAQ, Knowledge Base), heise, The Register, The Next Platform, Computer Weekly; alle Links am Artikelende.

Die 20-Prozent-Spätgebühr

Wer sein VMware-Abo verspätet verlängert, zahlt laut Distributor-Informationen einen Aufschlag von 20 Prozent auf den Erstjahrespreis. Das Renewal auszusitzen ist als Verhandlungstaktik also teuer.

Noch tiefer einsteigen: Der Beitrag zu den VMware-Lizenzänderungen unter Broadcom erklärt Chronologie, Kern-Lizenzierung und die drei Optionen verlängern, verkleinern oder wechseln im Detail.

Was Proxmox VE kostet

Proxmox VE ist eine Virtualisierungsplattform des Wiener Herstellers Proxmox Server Solutions auf Debian-Basis, lizenziert als Open Source unter AGPLv3. Aktuell ist Version 9.2 vom Mai 2026. Der entscheidende Unterschied zum VMware-Modell: Es gibt keine Funktions-Paywall. HA-Cluster, Live-Migration, ZFS, Ceph, Software-Defined Networking und die Backup-Integration sind in jeder Variante enthalten, auch ganz ohne Subscription.

Bezahlt wird bei Proxmox nicht für Funktionen, sondern für Stabilität und Support: Eine Subscription schaltet das konservativ getestete Enterprise-Repository frei und enthält je nach Stufe Support-Tickets mit garantierter Reaktionszeit.

Proxmox VE Subscriptions, netto pro CPU-Sockel und Jahr
StufePreisEnthalten
Community120 EUREnterprise-Repository, Community-Support
Basic370 EUREnterprise-Repository, 3 Support-Tickets pro Jahr
Standard550 EUREnterprise-Repository, 10 Tickets pro Jahr, 4 Stunden Reaktionszeit
Premium1.100 EUREnterprise-Repository, unbegrenzte Tickets, 2 Stunden Reaktionszeit
Stand: Juli 2026, Listenpreise von proxmox.com. Ohne Subscription läuft Proxmox über das No-Subscription-Repository: legal und funktional vollwertig, aber weniger konservativ getestet.

Für Backups gibt es den Proxmox Backup Server mit Deduplizierung, inkrementellen Backups und Verifikation, ebenfalls Open Source. Subscriptions kosten pro Backup-Server und Jahr netto zwischen 560 EUR (Community) und 4.480 EUR (Premium), unbegrenzter Backup-Speicher und unbegrenzte Clients inklusive.

Beispielrechnung: 3 Hosts mit 48 Kernen über 5 Jahre

Nehmen wir ein typisches KMU-Setup: drei Hosts mit je einer CPU und 16 Kernen, zusammen 48 Kerne, Laufzeit fünf Jahre. Das entspricht genau dem VMware-Lizenzminimum pro CPU und ist eine realistische Größe für Umgebungen mit 20 bis 100 Mitarbeitern.

Lizenzkosten im Vergleich: 3 Hosts, 48 Kerne
PlattformPro JahrÜber 5 Jahre
VMware Cloud Foundation, Listenpreis 350 USD pro Kern16.800 USD84.000 USD
VMware vSphere Foundation, Marktpreise 150 bis 190 USD pro Kern7.200 bis 9.120 USD36.000 bis 45.600 USD
Proxmox VE Standard (3 Sockel) plus Backup Server Community2.210 EUR11.050 EUR
Proxmox VE Community (3 Sockel), ohne separaten Backup Server360 EUR1.800 EUR
Stand: Juli 2026. USD-Beträge nicht in EUR umgerechnet. Broadcom publiziert keine öffentliche Preisliste; über Distributoren sind Rabatte möglich, für Kleinkunden ohne Direktvertrag aber kaum verhandelbar. Annahmen: 16-Kern-Minimum je CPU erfüllt, Proxmox-Listenpreise von proxmox.com.

Gegenüber dem VCF-Listenpreis zahlt das Beispiel-KMU mit Proxmox Standard plus Backup Server rund ein Siebtel bis ein Achtel. Selbst gegen das günstigere VVF bleibt ein Faktor von grob drei bis vier. Wichtig dabei: In der Proxmox-Zahl steckt das Backup-Produkt bereits drin, bei VMware kommt die Backup-Software noch obendrauf.

Versteckte Kosten auf beiden Seiten

Lizenzkosten sind nur ein Teil der Wahrheit. Wer wechselt, sollte diese Posten einplanen:

  • Migration: Die Umstellung kostet Arbeitszeit für Export, Import, Treiber und Tests je VM. Proxmox bringt seit Version 8.2 einen Import-Assistenten für ESXi mit (getestet mit ESXi 6.5 bis 8.0), inklusive Live-Import, bei dem die VM bereits auf Proxmox läuft, während die Disks im Hintergrund wandern. Windows-VMs brauchen VirtIO-Treiber, vSAN als Quellspeicher wird nicht direkt unterstützt.
  • Backup: Veeam Backup & Replication unterstützt Proxmox seit Version 13 (September 2025) vollwertig, inklusive Application-Aware-Backups für Windows-VMs (SQL Server, Oracle, PostgreSQL). Für Version 13.1 sind Replikations-Jobs angekündigt, zunächst nur lokal, mit Instant Recovery als experimentellem Feature (Stand Juli 2026). Alternativ übernimmt der Proxmox Backup Server.
  • Know-how und Support: VMware-Wissen ist am Markt breit vorhanden, Proxmox-Wissen wächst. Ohne eigenes Linux-Know-how ersetzt ein Dienstleister mit Proxmox-Erfahrung den Hersteller-Support. Das gehört ehrlich in die Rechnung, kostet aber typischerweise einen Bruchteil der VMware-Differenz.
  • Prozesse: Monitoring, Dokumentation und Notfallpläne müssen einmal auf die neue Plattform angepasst werden.

Mit einem Wechsel wären Sie nicht allein: In einer Umfrage unter 450 VMware-Kunden aus 14 Ländern plant die Hälfte, die VMware-Nutzung bis 2028 zu reduzieren. Gartner prognostiziert, dass bis 2028 rund 35 Prozent der heutigen VMware-Workloads auf anderen Plattformen laufen. Auch große Namen wie die britische Supermarktkette Tesco arbeiten 2026 an ihrem Ausstieg.

Wie der Umzug konkret abläuft, von der Bestandsaufnahme über den Import-Assistenten bis zu den typischen Stolpersteinen, zeigt Schritt für Schritt der Migrationsleitfaden von VMware zu Proxmox.

Wann VMware trotzdem die richtige Wahl bleibt

So deutlich die Kostenrechnung ausfällt, so ehrlich muss man die Gegenseite benennen. Gartner warnt, dass Abwanderer teils mit komplexerer und weniger leistungsfähiger Infrastruktur enden, denn einen Eins-zu-eins-Ersatz für das komplette VCF-Paket gibt es nicht. Bei VMware bleiben sollte, wer einen dieser Punkte bejaht:

  • Sie nutzen Funktionen, die Proxmox so nicht bietet, etwa vSAN in Stretched-Clustern, ausgefeiltes DRS oder NSX-Netzwerkvirtualisierung.
  • Ihre Fachanwendungen sind nur für VMware zertifiziert oder der Softwarehersteller supportet keine andere Plattform.
  • Ihr Team und Ihre Prozesse sind tief auf vSphere eingespielt und die Lizenzkosten fallen im Gesamtbudget kaum ins Gewicht.
  • Sie stecken mitten in einem Hardware-Lifecycle, in dem ein Plattformwechsel gerade das größte Betriebsrisiko wäre.

In diesen Fällen ist die bessere Strategie meist: beim Renewal früh und hart verhandeln, die lizenzierte Kernzahl sauber ans tatsächliche Sizing anpassen und den möglichen Wechsel für den nächsten Hardware-Zyklus vorbereiten.

Meine Einschätzung für KMU

Für die typische KMU-Umgebung mit zwei bis fünf Hosts, Standard-Workloads wie Windows- und Linux-VMs, Datei-, Anwendungs- und Datenbankservern und ohne vSAN- oder NSX-Abhängigkeiten ist Proxmox VE 2026 eine ausgereifte, wirtschaftlich kaum zu schlagende Alternative. Der Kostenunterschied ist kein Rundungsfehler, sondern Faktor sieben bis acht gegenüber dem VCF-Listenpreis, und er fällt jedes Jahr aufs Neue an.

Genau diese Entscheidung begleite ich als Dienstleister für IT-Infrastruktur: von der Bestandsaufnahme über die Testmigration bis zum laufenden Betrieb mit Monitoring und Updates, wie ihn der Beitrag zu RMM und Managed IT beschreibt. Wichtig ist ein geordneter Zeitplan: Oktober 2027 klingt weit weg, aber Bestandsaufnahme, Tests und Migrationsfenster je Host brauchen Vorlauf. Wer erst 2027 anfängt, verhandelt und migriert unter Zeitdruck.

  • Bestandsaufnahme: VMs, Abhängigkeiten, Storage, Backup-Kette und Lizenz-Stichtage erfassen.
  • Renewal-Termin klären: Verlängerungsangebot früh anfordern und die 20-Prozent-Spätgebühr gar nicht erst riskieren.
  • Testcluster aufsetzen: eine unkritische VM mit dem Import-Assistenten umziehen, Backup und Restore durchspielen.
  • Migration planen: realistische Wartungsfenster je VM statt alles an einem Wochenende.

Quellen

Dieser Beitrag ist eine sorgfältig recherchierte Orientierung, keine Rechts- oder Steuerberatung. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an Ihren Steuerberater oder Rechtsanwalt.

Häufige Fragen

Was kostet Proxmox VE pro Jahr?+

Die Software selbst ist als Open Source kostenlos (AGPLv3). Subscriptions für das stabile Enterprise-Repository und Support kosten pro CPU-Sockel und Jahr netto 120 EUR (Community), 370 EUR (Basic), 550 EUR (Standard) oder 1.100 EUR (Premium), Stand Juli 2026. Ein Cluster aus drei Hosts mit Standard-Subscription liegt damit bei 1.650 EUR pro Jahr.

Ist Proxmox ohne Subscription im Unternehmen erlaubt?+

Ja. Die AGPLv3-Lizenz erlaubt den produktiven Einsatz ohne Subscription, alle Funktionen sind enthalten. Sie nutzen dann das No-Subscription-Repository, das weniger konservativ getestet wird, und haben keinen Hersteller-Support. Für produktive Umgebungen ist mindestens die Community-Stufe mit Enterprise-Repository empfehlenswert.

Wie viele Kerne muss ich bei VMware mindestens lizenzieren?+

16 Kerne pro physischer CPU, auch wenn die CPU weniger Kerne hat. Lizenziert werden alle physischen Kerne aller CPUs eines Hosts. Die 2025 angekündigte Erhöhung der Mindestbestellung auf 72 Kerne wurde nach breiter Kritik binnen rund zwei Wochen zurückgenommen.

Was passiert, wenn ich mein VMware-Abo nicht verlängere?+

Die Software läuft technisch weiter, aber Support und Updates enden. Bei verspäteter Verlängerung verlangt Broadcom einen Aufschlag von 20 Prozent auf den Erstjahrespreis. Kauflizenz-Kunden ohne Supportvertrag erhalten seit Mai 2025 pauschal Unterlassungsschreiben mit dem Vorwurf, nach Supportende Patches eingespielt zu haben. Ein Hypervisor ohne Sicherheitsupdates ist auf Dauer kein tragbarer Zustand.

Funktioniert Veeam mit Proxmox?+

Ja. Grundfunktionen gibt es über das Proxmox-Plug-in seit Veeam 12.2 (August 2024), vollwertig inklusive Application-Aware-Backups für Windows-VMs seit Version 13 (September 2025). Für Version 13.1 sind Replikations-Jobs (zunächst nur lokal) und experimentelles Instant Recovery angekündigt, Stand Juli 2026. Alternativ gibt es den Proxmox Backup Server als integrierte Lösung.

Wann lohnt sich der Wechsel zu Proxmox nicht?+

Wenn Sie VCF-spezifische Funktionen wie vSAN-Stretched-Cluster oder NSX tatsächlich nutzen, Ihre Fachanwendungen nur für VMware zertifiziert sind oder ein Plattformwechsel mitten im Hardware-Lifecycle mehr Risiko als Ersparnis bringt. Dann ist hart verhandeln und den Wechsel für den nächsten Zyklus vorbereiten die bessere Strategie.

Raus aus der Lizenzfalle, rein in einen planbaren Betrieb

Ich prüfe Ihre VMware-Umgebung, rechne beide Wege für Ihren konkreten Fall durch und begleite die Migration zu Proxmox, wenn sie sich lohnt: Testcluster, Umzug, Backup und danach der laufende Betrieb. Aus Chemnitz für KMU in Sachsen und deutschlandweit.

Daniel Gläser

Daniel Gläser

Inhaber Gläser IT-Solutions, Chemnitz

Ich entwickle Software und betreibe IT-Infrastruktur für kleine und mittlere Unternehmen, von der ersten Analyse bis zum laufenden Betrieb. Die Inhalte hier stammen aus realen Projekten und sind mit Quellen belegt.

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